ERKENNEN, BENENNEN, ENTGEGENWIRKEN – PÄDAGOGISCHE METHODEN GEGEN ANTIZIGANISMUS

Fortbildung mit Markus End (Diplom-Politologe) und Patricia Pientka (M.A. Neuere und neueste Geschichte, Mittelalterliche Geschichte und Philosophie)

Wann? Samstag und Sonntag, 05. und 06.04.2014 ab 10 Uhr
Wo? Magdeburg, Landesjugendwerk der AWO, Schönebecker Str. 82-84
Veranstalter*innen: Landesjugendwerk AWO Sachsen-Anhalt

Im März 2012 erschien das „Methodenhandbuch zum Thema Antiziganismus“ im Unrast Verlag. Ein interdisziplinäres und multiprofessionelles Team aus den Bereichen der Kultur-, Politik-, Erziehungs- und Geschichtswissenschaften, der Pädagogik und der Sozialen Arbeit, aus Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft und aus Angehörigen der Minderheit der Sinti und Roma erarbeitete unter der Federführung der Jugendbildungsstätte Kaubstraße in Berlin die in diesem Buch enthaltenen Informationen und pädagogischen Materialien für die schulische und außerschulische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ausprägungen des Antiziganismus.
Begleitend zum Handbuch bieten die Autor_innen Fortbildungen an. Diese richten sich primär an Lehrer_innen, Pädagog_innen, Multiplikator_innen und an Menschen, die in der politischen Bildung tätig sind, sind aber grundsätzlich auch für alle anderen Interessierten offen.
Neben einführenden Informationen zum historischen und aktuellen Antiziganismus in Europa und Deutschland, sowie zur Struktur und Funktionsweise antiziganistischer Ressentiments werden außerdem das pädagogische Konzept des Handbuchs und verschiedene Anwendungsmöglichkeiten der 27 Übungsvorschläge vorgestellt.
Im Mittelpunkt der Fortbildung steht aber die praktische Erfahrung. Hierzu werden in ergebnisoffenen Übungen Situationen geschaffen, die die Teilnehmenden mit kontroversen Positionen, Einstellungen und Bedürfnissen konfrontieren und zu eigenen Stellungnahmen herausfordern. Den Teilnehmer_innen wird so ermöglicht, gelernte und vertraute Bilder und Erfahrungen differenziert zu betrachten, Perspektivwechsel vorzunehmen und so neue Erfahrungen zu sammeln. Das Methodenspektrum reicht von interaktiven Diskussions- und Positionierungsübungen, Aufgaben zur Schulung der Medienkompetenz im Zusammenhang mit Antiziganismus, der Arbeit mit aktuellem Musik- und Filmmaterial, über Rollenspiele, Fallbeispiele, Simulationen, Karten- und Quizspiele, bis hin zu einem Stadtspiel.

VON „SOZIALTOURISMUS“ und „ARMUTSZUWANDERUNG“ – ANTIZIGANISMUS IN DEN MEDIEN

Workshop mit Markus End (Diplom-Politologe)

Wann? Samstag, 05.04.2014 um 19 Uhr
Wo? Magdeburg, Haus für junge Kunst THIEM 20, 39104 Magdeburg, Thiemstraße 20
Veranstalter*innen: Landesjugendwerk AWO Sachsen-Anhalt

„Überall dort wo viele Romas auftauchen gibts Probleme und keinerlei Lösungen“ Die Debatte um „Armutszuwanderung“ in deutschen Medien. In den letzten zwei Jahren wurde in deutschen Medien eine gesellschaftliche Debatte über die Folgen einer sogenannten „Armutszuwanderung“ ausgefochten, die zahlreiche antiziganistische Elemente aufweist. Wütende „Anwohner“ berichten über „Müll“, „Lärm“ und „Kriminalität“, der Städtetag, Polizeidienststellen und Migrationsbeauftragte warnen vor der „Gefährdung des sozialen Friedens“. Im Vortrag soll diese Debatte und insbesondere die mediale Berichterstattung genauer untersucht und kritisiert werden. Anhand verschiedener Beispiele wird auf Mechanismen und Argumentationsweisen medialer Berichterstattung eingegangen, die beteiligten Akteur*innen werden genauer beleuchtet, um zum Schluss auf die politischen Konsequenzen und möglichen Gefahren der Debatte einzugehen.

ANTIZIGANISMUS – EINE EUROPÄISCHE IDEOLOGIE

Vorlesung mit Prof. Dr. Wolfgang Wippermann (FU Berlin)

Wann? Montag, 07.04.2014 um 17 Uhr
Wo? Magdeburg, Universität, Gebäude 40B, Raum 231
Veranstalter*innen: SDS.Die Linke Magdeburg

Über kein anderes Volk wissen die Europäer so wenig und zugleich so viel Falsches wie über die Roma. Die Vorurteile über die Roma sind in allen europäischen Ländern weit verbreitet. Nach neuesten Umfragen werden die Roma von weit über 50 Prozent der jeweiligen Mehrheitsgesellschaft abgelehnt und angefeindet. Nicht in allen, aber in vielen ost- und westeuropäischen Ländern sind die Roma Verfolgungen ausgesetzt. Antiziganismus, die Feindschaft gegenüber den Roma und gegenüber Personen, die als „Zigeuner“ bezeichnet und verachtet werden, ist zu einer europäischen Ideologie geworden, mit der sich die europäischen Mehrheitsgesellschaften unter einander verständigen und gegen die Roma Minderheiten abgrenzen. Wie ist es dazu gekommen, und was kann man dagegen tun? Wolfgang Wippermann will diese Fragen beantworten. In seinem Vortrag zeichnet er die Genese und Funktion dieser europäischen Ideologie nach, nennt ihre Adressaten und Träger und entwickelt Vorschläge, wie der Antiziganismus hier und jetzt in Deutschland und Europa zu bekämpfen ist.

WAS MIT UNKU GESCHAH – DAS KURZE LEBEN DER ERNA LAUBENBURGER

Filmabend mit Jana Müller vom Alternativen Jugendzentrum Dessau

Wann? Montag, 07.04.2014 um 19 Uhr
Wo? Halle, Café Pantarhei, Dachritzstr. 2
Veranstalter*innen: Linksjugend [’solid] Halle

Das Alternative Jugendzentrum Dessau erforscht seit vielen Jahren die Lebens- und Leidenswege der Sinti, die Anfang 1938 aus Dessau-Roßlau vertrieben wurden. Ergebnisse dieser Erinnerungsprojekte mit Jugendlichen flossen in den Film „Was mit Unku geschah – Das kurze Leben der Erna Lauenburger“ und eine Gedenkveranstaltung am 1. Februar 2013 im Dessauer Rathaus, in der erstmals der 75 Jahre zuvor aus Dessau-Roßlau vertriebenen Sinti gedacht wurde, ein. Jana Müller, die diese lokalhistorische Forschung initiiert und begleitet hat, stellt die Projektarbeit und deren Ergebnisse vor.
Erna Lauenburger, genannt Unku, war die Titelheldin des Ende der 1920er Jahre in Berlin spielenden Jugendromans „Ede und Unku“ der jüdischen Schriftstellerin Grete Weiskopf (Pseudonym Alex Wedding). Ab 1972 zählte das Buch zur Pflichtlektüre des Deutsch-unterrichtes in der DDR. (Dokumentation: 35 Minuten)

Die folgende Veranstaltung muss leider krankheitsbedingt ausfallen:

DIE VERFOLGUNG VON SINTI UND ROMA IN MERSEBURG

Vortrag und Diskussion mit Jan Skrzypkowski (Geschichtswerkstatt Merseburg)

Wann? Montag, 07.04. um 19 Uhr
Wo? Merseburg, Kulturprojekt Domstraße 2
Veranstalter*innen: Linksjugend [’solid] Sachsen-Anhalt

AUSSTELLUNG „ZWISCHENWELTEN“

Ausstellung mit Exponaten von Harald Krieg

Wann? Montag, 07.04. bis 05.05., Montag – Freitag von 10:45 – 14:30 Uhr.
Wo? Magdeburg, Mensagalerie, Universität
Veranstalter*innen: Kunstverein derART, mit Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen-Anhalt

Fotografien zur Dokumentation über das Leben der Roma in Bulgarien. Die Ausstellung findet im Rahmen der Aktionstage gegen Antiziganismus statt und wird in der Mensagalerie des Studentenwerks Magdeburg gezeigt.

Die analogen Bilder entstanden 2004, im Rahmen eines Auslandssemesters. Ziel war es foto-dokumentarisch eine Bestandaufnahme über das Leben in all seinen Facetten abzubilden.

Mit dem Blick eines Außenstehenden ist die Situation der Roma stark in den Focus gerückt. Die Stadt Burgas will sich für den Beitritt in die EU modernisieren, viele Bürger versprechen sich viel davon. Aber in diesem Bild stören Pferdefuhrwerke und bettelnde Kinder in einem schlechten körperlichen Zustand. Die Roma leben in einem eigenen Viertel, ohne Kanalisation oder andere Infrastruktur. Im täglichen Kampf ums überleben ist Bildung nicht vorgesehen. In diesem Umfeld bleibt den Kinder meist nichts übrig als in die Fußstapfen der Eltern zu treten. Einem Leben was selbst vor zehn Jahren eher in die dritte Welt verortet, aber nicht in einem europäischen Land vermutet, welches kurz vor dem Beitritt in der EU steht.

Harald Krieg vereint fotografische Leidenschaft mit journalistischem Interesse. Durch das Studium der Journalistik spezialisierte er sich auf Reportagefotografie und ist nach zahlreichen Auslandsaufenthalten als Fotojournalist für namhafte nationale Auftraggeber tätig.

Veröffentlichungen in Die Zeit, Süddeutsche Zeitung, Spiegel, taz uva.

Zwischenwelten umfasst 18 Exponate in 40×60cm von digitalisierten s/w analogen Aufnahmen und zwei großformatige Kontaktabzüge auf Forexplatte. Die Ausstellung ist als Wanderausstellung geplant und kann an Schulen und Institutionen weitergezeigt werden. Begleitend zu der Ausstellung bieten wir ein pädagogisches Rahmenprogramm: Führung durch die Ausstellung und ein Workshop zum Thema „Geschichte(n) mit Bildern erzählen“

Zu sehen ist die Ausstellung vom 07.April 2014 bis zum 05.Mai 2014 zu den Öffnungszeiten der Mensagalerie des Studentenwerks der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg, Universitätsplatz 2, Montag – Freitag 10:45 – 14:30 Uhr.

KASAN

Filmabend und Gespräch mit Regisseur Helge Lindau

Wann? Dienstag, 08.04.2014 um 19 Uhr
Wo? Magdeburg, Café Central, Leibnizstraße 34
Veranstalter*innen: Linksjugend [’solid] Magdeburg

Nur ein paar Kilometer von der Touristenhochburg „Goldstrand“ entfernt liegt der Stadtteil Varna-Vladislavovo. Hierher verirren sich keine Touristen. Zwischen den grauen Plattenbauten, die während der kommunistischen Ära auf den Berg gesetzt wurden, lieg, als Enklave, Machlata, das Ghetto. Viele der Bewohner, die mehrheitlich aus Roma und Millets bestehen, leben vom „Kasan“. „Kasan“ heißt Container. „Kasan“ heißt auch die Müllcontainer nach verwertbarem zu durchwühlen.
Der Film „Kasan“ erzählt vom Leben der Familie Filipova, die schon seit Jahr und Tag im Machlata lebt. Wir begleiten die Mutter der Familie, Elena, bei ihrer Arbeit als Straßenfegerin am Goldstrand. Sie arbeitet 12 Stunden täglich, sieben Tage die Woche, für einen Hungerlohn.
Der Vater der Familie, Krasso, ist mit seinem kleinen Pferdewagen unterwegs um in den Containern von Vladislavovo nach Metall oder nach Futter für sein Schwein zu suchen. Gezeigt wird das Leben im Ghetto, deren Menschen sich trotz der Armut, ihren Stolz bewahrt haben.
Der Dokumentarfilm „Kasan“ gibt einen Einblick in das Leben im Ghetto, ohne voyeuristisch zu wirken. Er beschreibt die Menschen dieser Enklave respektvoll aber trotzdem aus deren Mitte heraus.

VERFOLGT UND AUSGEGRENZT

Film & Vortrag mit Thomas Richardt (Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V. )

Wann? Mittwoch, 09.04.2014 um 19 Uhr
Wo? Quedlinburg, Kulturzentrum „Reichenstraße“
Veranstalter*innen: Kinderhilfe für Siebenbürgen e.V. und KuZ Reichenstraße

Der seit 2003 bestehende Verein, mit Sitz in Stapelburg (Harz) setzt sich für Roma in Rumänien ein und eröffnete 2008 in Sibiu ein Lernzentrum für mittlerweile 60 Kinder. Der Verein unterstützt weiter auch Familien, die von Ausgrenzung und Armut betroffen sind. Durch diese Arbeit direkt vor Ort, werden die Problematiken, mit denen Roma zu kämpfen haben immer wieder deutlich. Ein Vortrag über die Situation in Rumänien und ein Film, der in zivilgesellschaftlicher Zusammenarbeit mit Schüler_innen des Harzkreises entstand, geben einen eindrucksvollen Einblick in die Arbeit und das Leben als Angehöriger einer verfolgten Minderheit mitten in Europa.

NEW ZIRO

Film & Diskussion mit Hajo Gunkel

Wann? Mittwoch, 09.04.2014 um 19 Uhr
Wo? Halle, bel-etage (ehemals Comcenter), Willy-Brandt-Str. 57
Veranstalter*innen: Rosa Luxemburg Stiftung Sachsen-Anhalt

Vier Lebensläufe aus 3 Generationen Sinti in Detuschland stehen exemplarisch für ein Dilemma: wie die eigene kulturelle Identität bewahren ohne sich gleichzeitig von der Mehrheitsgesellschaft abzuschotten? Anschließend Diskussion zum Film und der gegenwärtigen Situation der Sinti und Roma in Deutschland mit Hajo Gunkel (Gesellschaftswissenschaftler)

GESCHICHTEN MIT BILDERN ERZÄHLEN

Fotografie- und Sozialfotografieworkshop mit Horea Conrad (Fotografie-Dozent). Mit Anmeldung via info@derart-ev.org oder Tel. 0178 7313322. Gebühr 15€ bzw. 10€ ermäßigt.

Wann? Donnerstag, 10.04 um 18 Uhr
Wo? Magdeburg, Studio derART, Gr. Diesdorfer Str. 249
Veranstalter*innen: Kunstverein derART

Der Workshop des Kunstvereins derART e. V. umreißt zunächst die Grundlagen der Fotografie. Das Hauptziel des Kurses ist es, den technischen Umgang mit der Kamera zu erlernen und Fragen sowie Probleme individuell zu beantworten. Abschließend sollte jeder Kursteilnehmer Kenntnisse über die Funktionen und Einstellungen der Kamera sowie über die jeweiligen Anwendungsgebiete besitzen.
Im zweiten Teil geht es um die Fotoreportage als Stilmittel der Fotografie. Die soziodokumentarische Fotografie bildet die Menschen in ihrem kulturell-gesellschaftlichen Umfeld ab und verwendet dabei das Genre des Portraits.
Der Kursinhalt und das Tempo richten sich nach den individuellen Vorkenntnissen und Interessen der Teilnehmer. Falls eine Fotoausrüstung vorhanden ist diese bitte, inklusive der Gebrauchsanweisung Ihrer Kamera, zum Kurs mitzubringen.

ANTIZIGANISTISCHE ZUSTÄNDE 2.0

Vortrag mit Tobias von Borcke (Forum Antiziganismuskritik, Mitherausgeber des Sammelbandes »Antiziganistische Zustände 2«)

Wann? Donnerstag, 10.04. um 19 Uhr
Wo? Magdeburg, Universität, Gebäude 40B, Raum 231
Veranstalter*innen: AK Antira Magdeburg

Klischees über „Zigeuner“ und verschiedene Formen der Verfolgung und Ausgrenzung von Menschen, die als solche wahrgenommen werden, haben eine lange Tradition. Seit mehreren Jahrhunderten weisen die stereotypen Bilder dabei in vielen Punkten eine erstaunliche Beständigkeit auf. Im ersten Teil des Vortrages soll schlaglichtartig die lange Geschichte des Antiziganismus im deutschsprachigen Raum dargestellt werden. Dabei stellt der nationalsozialistische Völkermord an als „Zigeuner“ kategorisierten Menschen einen Schwerpunkt dar, aber auch Ereignisse der jüngsten Vergangenheit kommen zur Sprache. Daran anschließend werden Überlegungen zu Struktur und gesellschaftlicher Funktion des Ressentiments vorgestellt. Dabei werden die Gründe für den fortdauernden Antiziganismus nicht bei den davon Betroffenen gesucht. Im Fokus der Kritik steht vielmehr die Mehrheitsgesellschaft, die immer wieder Stereotype und handfeste Ausgrenzung hervorbringt.
Referent: Tobias von Borcke ist im Forum Antiziganismuskritik aktiv und Mitherausgeber des Sammelbandes »Antiziganistische Zustände 2«, der Anfang diesen Jahres im Unrast-Verlag erschienen ist.“

GESCHICHTE UND ALLTAG DES ANTIROMAISMUS IN EUROPA

Georgel Caldararu (Aktivist und Mitautor bei „Der Paria.Politik von Unten!“)

Wann? Donnerstag, 10.04. um 18 Uhr
Wo? Halberstadt, ZORA e.V., Am Johanniskloster 9
Veranstalter*innen: Linksjugend [’solid] Sachsen-Anhalt

Antiromaismus ist ein europäischer Normalzustand – seit über 500 Jahren. Im 21. Jahrhundert stellen Roma die größte Minderheit in Europa dar. Gleichzeitig werden sie in nahezu allen Gesellschaften diskriminiert, ausgegrenzt und marginalisiert. Oft leben sie ein Leben in bitterer Armut, aktiv und systematisch ausgeschlossen von der Mehrheitsgesellschaft. Hetzjagden, rassistische Übergriffe bis hin zum Mord und regelrechte Pogrome sind im Europa der 2010er Jahre keine Seltenheit, während die unterschiedlichsten politischen Ebenen stets daran versucht sind, die Ausgrenzungs- und Verfolgungspraktiken der extremen Rechten mit judikativer und exekutiver Gewalt zu flankieren. An jedem Tag werden Roma oder jene, die das jeweilige Grenzregime dafür hält, in vermeintlich „sichere Drittstaaten“ abgeschoben, wo sie ein randständiges Leben in Angst erwartet. Erst jüngst hat die Große Koalition in der BRD beschlossen, Roma den für erfolgreiche Asylverfahren notwendigen Verfolgtenstatus für Balkanländer abzuerkennen, wider besseres Wissen. Woher kommt der Hass auf Roma? Welche Dimensionen nahm und nimmt er gegenwärtig an? Welche unmittelbaren Konsequenzen hat das für die Betroffenen und was sagt das über die „Wertegemeinschaft“ der Europäischen Union, wenn sie tausendfache Diskriminierung nicht nur akzeptiert, sondern aktiv unterstützt? In einem Vortrag mit anschließender Diskussion wollen wir uns diesen und weiteren Fragen widmen, um eine Idee von einem besseren Europa, frei von Antiromaismus, Rassismus und Nationalismus, zu entwickeln. Diese Veranstaltung ist offen für alle Interessierten und findet im Rahmen der AKTIONSTAGE GEGEN ANTIZIGANISMUS statt.

Der Referent: 1974 in Craiova Rumänien geboren, lebt als freier Autor, Musiker und Aktivist in Berlin. Studium an der Fakultät für Philosophie und Geschichte, Universität Babes Bolyai, Cluj-Napoca, Rumänien. Mit-Autor bei „Der Paria – Politik von unten!: http://derparia.wordpress.com/

VERFOLGUNG HALLESCHER SINTI UND ROMA IM NATIONALSOZIALISMUS

Vortrag von Steffen Thater und Michael Viebig

Wann? Freitag, 11.04. um 19 Uhr
Wo? Halle, Cafe Pantarhei, Dachritzstr. 2
Veranstalter*innen: Linksjugend [’solid] Halle

Neben Juden galten auch Sinti und Roma im 3. Reich als minderwertig und zu vernichten. Aus dem Jahr 1943 sind Dokumente überliefert, in denen die Verfolgung und Deportation hallescher Sinti und Roma belegt ist. Hier finden sich auch Hinweise über den sogenannten „Zigeunerlagerplatz“ in der heutigen Geschwister-Scholl-Straße in Halle-Trotha. Auch die Justiz war in die planvolle Vernichtung der Sinti und Roma eingebunden. So finden sich in den Unterlagen des Sondergerichtes Halle einige Verfahren – sogenannte „Zigeunersachen“ – bei denen zwei Dinge besonders auffallen: die Angeklagten gelten grundsätzlich als wenig glaubwürdig und werden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Vor dem Ende der Strafe, erfolgte ihre Verlegung in Konzentrationslager; keiner der in Halle verurteilten „Zigeuner“ kehrte von dort wieder zurück.
Steffen Thater und Michael Viebig werden uns in ihrem Vortrag die Schicksale hallescher Sinti und Roma näher bringen und an Beispielen zeigen, wie die Justiz einen Beitrag zu ihrer Vernichtung in Mitteldeutschland leistete.